Wednesday, May 27, 2009

Für alle, die von Natur aus neugierig sind: Brand Conversation Tracking.

(Abb. sysomos.com)

Ich hatte schon immer Spaß daran, andere Menschen zu beobachten und ihren Gesprächen zu lauschen – vielleicht einer der Gründe, warum ich so leidenschaftlich gern qualitative Forschung betreibe. Und ich bin ein großer Fan von Fokusgruppen und Einzelinterviews – aber nicht immer ist es möglich, diese Tools zu nutzen. Da im Moment überall “Brand Conversations” das Thema sind – warum nicht auch diese Konversationen für Research-Zwecke nutzen?

Worüber sprechen die Menschen online? Überhaupt über Marken? Und wie kann ich Insights im Web 2.0 generieren? Welche Tools gibt es? Und wer nutzt das heute schon? Und überhaupt: bringt das etwas? Ist es ein vollwertiger Ersatz oder eine verspielte Ergänzung zu klassischen qualitativen Tools? Fragen über Fragen – denen ich in den letzten Wochen versucht habe, auf den Grund zu gehen.

Unglaublich viel Input – und ein ganzes Dutzend Namen dafür.
Im Online-Dschungel gibt es zum Thema schon extrem viel Input, wenn man als Suchbegriff erst einmal “Conversation Tracking” eingibt. Das Problem ist eher: viel zu viel. Und viel zu viele verschiedene Schlagwörter. Vor allem Online- und PR-Agenturen nutzen Konversations-Beobachtung schon längere Zeit – und so gibt es viele Präsentationen und Tools, die vor allem für diese Bereiche sinnvoll sind.
Da ich aber nach möglichst reichen Insights, nicht nur nach reinem “Buzz Value” suche, geht die Recherche weiter. Mit den verschiedensten Schlagwörtern.: „topic tracking“, „conversation monitoring“, „brand dialogue“. “ Social Media Mining”, “Conversational mining”, “brand dialogue monitoring”, “social media research”, “tracking online conversations”, “Semantic Web Analytics”, ….

Eins wird deutlich, je länger ich mich mit dem Thema beschäftige: dies kann nur ein oberflächliches Kratzen sein. Weil sich dort viel tut. Und viel Input im Netz verfügbar ist. Und weil es für den Anwender wichtig ist, die relevanten Parameter und Erwartungen an ein Tool klar zu definieren.

Vorläufiges Ziel: Was ist möglich - wie sinnvoll ist es - welche Tools sind kostenlos oder kostengünstig verfügbar?

Das Conversation Tracking generell sinnvoll erscheint, wird einem deutlich, wenn man dazu die verschiedensten Artikel, Präsentationen oder Websites liest. Einiges davon vorab– damit auch die Auswahl der Tools, die ich darauf hin recherchiert und betrachtet hab, verständlicher wird.
Wichtig ist für mich am Ende: sehen, was der Markt an Analyse-Tools hergibt. Und was davon auf den ersten Blick interessant und nützlich erscheint.

Im Kern geht es um zwei Dinge: “Monitoring and mining conversations”.
Mike Manuel hat bereits 2005 über “mining and monitoring the conversation gap” geschrieben - Mike beschreibt dabei die zwei generellen Methoden im Beobachten von Online Konversationen:

"Mining typically involves looking at a large volume of discussion (usually over a span of time) and from thatextracting patterns and themes that lend themselves to some fairly decent insights and analysis of discussion trends. The companies that do mining really well basically look and act a lot like search engines with huge indexes of data (e.g., from blogs, forums, groups, etc.) that are regularly queried based on a pre-defined set of terms or keywords that you, the client, want to track. Mining is great for keeping tabs on big picture trends and sentiment shifts, but it's lousy at capturing real-time issues as they typicallybubble up online -- which is critical for communicators trying to stay in front of things.
Monitoring involves being on the front line of online discussion -- as it's happening. Monitoring is hard work and more often than not, the companies that do it well are relying less on machines and automation, and more on human analysis and teams of researchers. These services typically cull all sorts ofcontent (every day) and flag discussions, links, etc. that fit within a pre-defined scope of work. While monitoringservices are great for staying on top of online chatter and keeping the pulse of communities, monitoring doesn't scalevery easily and aside from front line observations and anecdotal knowledge, it's really tough to gauge what sort ofimpact these discussions are having on overall brand perception (and whether or not you're actually closing theconversation gap) online."

Auf der Suche nach gehaltvollen Insights befinden wir uns irgendwo zwischen Monitoring & Mining.
Ich will zwar eine möglichst große Anzahl an Kommentaren und Input – denn das ist ja schließlich der Vorteil des Internet-Researchs. Aber schön wäre es, wenn es dann doch ein bisschen vorsortiert und geclustert ausgeworfen werden würde.

Warum es Sinn macht, den Online- Konversationen zu lauschen.
Prof. Leisenberg beschreibt – wenn auch oberflächlich – den Nutzen von Web 2.0 für die Marktforschung in der Computerwoche. Auch beim brandchannel gibt es dazu ein Papier – wenn auch hier wenig dezidiert über Tools und mehr über die allgemeine Sinnhaftigkeit steht. Klaus Eck, ein Experte für Online-Reputation-Management, hat bereits 2006 ein interessantes Interview mit Sten Franke, GF von ethority zum Thema veröffentlicht, das nach wie vor in großen Teilen aktuell ist - und ebenfalls kurz erläutert, wie die Technik hinter den Tools funktioniert.

„Bei der Auswertung von Blogs und Foren generieren wir schneller und gezielter eine Masse an authentischen Meinungen, die keine herkömmliche Marktstudie bzw. Befragung unter gleichen Aufwendungen bereitstellen kann. ..... Online ..... werden oftmals sehr persönliche Dinge geäußert, weil das Internet sehr viel anonymer ist. Unsere Ergebnisse sind eigentlich sogar authentischer als diejenigen, die für die Marktforschung in der realen Welt durchgeführt werden. Andererseits ist unsere Analyse sicher nicht ganz repräsentativ. Doch meiner Meinung sind die Emotionen, die mit Marken verbunden werden, wichtiger. Man erhält sehr viel weiter gehende Informationen und komplett neue Eindrücke, weil man methodische nicht nur auf einem Fragebogen angewiesen ist. .....Wir betreiben eigene Server mit Spidertechnologien und Suchalgorithmen die auf Grundformen künstlicher Intelligenz basieren und anders als Stichwortsuchen, auch Zusammenhänge und Vernetzungen abbilden können. Wir nutzen hier den Vorteil, dass wir keinen Index aufbauen müssen, sondern ganz explizit zum Thema passende Ressourcen semantisch auswerten. Die gefundenen Ergebnisse werden priorisiert (Aktualität, Tonalität, Quelle, Vernetzungsgrad etc.) und auch je nach Thema und individuellem Kundenbedarf kategorisiert bzw. durch unsere semantische Analyse segmentiert..... Im deutschsprachigen Raum gibt es einschließlich Clippingservice rund 10 Anbieter im Markt. 70 – 80 Prozent davon machen Blog-Monitoring. Hingegen ist der Bereich Marktforschung noch völlig unterentwickelt. In den USA ist das der absolute Trend. So bauen Procter & Gamble und AC Nielsen ein eigenes Monitoring auf. ...Oftmals schreiben die Konsumenten über ihre Alltagserfahrungen und gehen dabei auch konkret auf einzelne Produkte ein. ..Der Ansatz geht meist nur soweit, dass eine Weblog-Suchmaschine mit ein paar Suchbegriffen abgefragt wird und die Treffer in einer Online-Datenbank ohne jede weitere Selektion und Priorisierung dargestellt werden......Der Einsatz einer vollautomatisierten Monitoring-Lösung mit semantischer Ergebnisklassifizierung und Priorisierung sollte immer in Erwägung gezogen werden...."

Der Schweizer Dominik Schneider schreibt in seinem Blog ebenfalls darüber, sieht die verfügbaren kostenpflichtigen Tools aber eher kritisch:
"In einem weiteren Schritt wurde ein Blog-Monitoring System entwickelt. Dabei gilt es zu beachten, dass teure Angebote von führenden Clipping-Anbietern in keinem Verhältnis zu deren Output stehen. Die semantische Analyse von Webinhalten steckt noch in den Kinderschuhen. Insofern lohnt sich das Scannen des ganzen WWWs (noch) nicht. Für eine akkuratere Vorgehensweise stehen eine Menge freier Web-Tools zur Verfügung, mittels denen Webinhalte mit vordefinierten Suchbegriffen und Tags beobachtet werden können. Des Weiteren gilt es zu beachten, dass eine rein quantitative Analyse dem Web 2.0 nicht gerecht wird, da hier Diskurse, Dialoge, Engagement und Verständigung im Vordergrund stehen. Durch die Lektüre der wichtigsten Blogs (Monitoring) und einer ergänzenden und weniger gerichteten Suche (Scanning) in Blog-Suchmaschinen, kann so ein kosteneffizientes Social Media Monitoring betrieben werden."


Die Scholz & Friends Strategy Group hat eine tolle Präsentation auf Slideshare veröffentlicht zum Thema “digital pearl fishing” – zu Nutzen, Einsatzmöglichkeiten und ihrem eigenen Tool - eine absolut lesenswerte Einführung ins Thema. Schöne Einführung – aber vor allem Werbung für ein internes Tool. Auf der Suche nach frei verfügbaren Angeboten zum Thema “DIY digital pearl fishing” gilt es, weiter zu suchen.


Wofür überhaupt “Conversation Tracking”?
Im Kern sind es drei Breiche, wo die Ergebnisse im Einsatz sind:

1. Trend Buzz
2. Reputation Monitor
3. Insight Research

Trend Buzz:
Was ist heiß, worüber spricht man? Quantitativ ja – aber da geht es dann erst einmal nur um Themen und Begriffe, die genannt, diskutiert, gegoogelt werden. Rein dokumentarisch, ohne jegliche qualitative Hintergrund-Analyse. Wer spricht über was, wann wo und wie häufig. Kann graphisch ganz nett aussehen, und sicher die ein oder andere Präsentation aufzurüschen. Aktuell vor allem über Twitter – weil wir hier mehr oder minder in Echtzeit sehen, was gerade die angesagten Konversations-Themen sind.

Reputation Monitor:
Hier geht es vor allem ums Management des eigenen bzw des Markenimages. Und damit vor allem SEO & PR-Terrain. Interessant ist hier das “Dell Hell” Beispiel von Jeff Jarvis – dem Autor von “What would Google do?”. Also: wie reagiere ich auf Konversationen online – vor allem auf negative Kommentare zu meiner Person oder Marke. Für uns in der Strategie ganz interessant – aber nicht in der aktiven Reaktion, sondern eher in dem, was über die Marke gesprochen wird.

Insight Research:
Die Entdeckung von Online-Insights – echte ungefilterte Statements zu meiner Marke, die mir noch ein bisschen mehr dazu sagen, wie über die Marke gedacht und gefühlt wird. Welche Motive und Bedürfnisse dazu relevant sind. Aussagen zu einem Thema oder einer Marke, die als qualitativer Input in der Entwicklung von Strategien rund um Marke und Kommunikation einen relevanten Input bilden. Bisher lässt sich relativ gut rausfinden: Worüber wird gesprochen (Trend/ Topic Buzz)? Was wird gesagt (positiv, negativ oder neutral)? Und kann ich das ggf. tiefer analysieren – jenseits von einfacher positiv-negativ “Sentiment Analysis”.

Worauf sollte ein Unternehmen generell beim Monitoring achten?
1. Zieldefinition für das Monitoring.
2. Aufbereitung einer Begriffs- und Themenwelt - Fokussierung auf das Wesentliche
3. Auswahl der relevanten Web-Ressourcen
4. Ergebnisverdichtung und Auswertung
5. Optimierung der Begriffs-, Themen- und Webressourcen

Online Monitoring ist etwas, das viele bereits machen – über die klassischen "Altert"-Tools:
Der einfachste Weg für DIY monitoring : Google Alerts. Mit Tools dieser Art lässt sich sicher einiges aus eigener Kraft sammeln und monitoren – aber damit mit DIY-Konversations-Tracking dieser Art wollen wir uns hier nicht im Detail beschäftigen. Ein paar nette Tipps dazu gibt es aber u.a. hier. Und auch Amber Naslund von Radian6 hat einige Tipps für die, die sich kein kostenpflichtiges Tool leisten können, und auf einfache Weise DIY conversation monitoring betreiben wollen:
"If a paid solution is out of your league, consider building yourself a dashboard of your own that aggregates RSS feeds from several search tools. I’ve noodled with several methods, and so far, I like NetVibes as an aggregator, pulling in search feeds from:
* Google Alerts (News and Blog Search) * Twitter Search - separate feeds for different search strings/keywords * Technorati Blog Search * TweetBeep - a good backup to capture mentions of your brand on Twitter * SocialMention.com * Backtype - search among blog comments * BoardTracker - search forums and bulletin boards This method won’t have the real value of paid tools - but you’ll at least be able to aggregate the information to give yourself a starting point for analysis. At a basic level, you’ll want to listen for: * Your brand/company name (don’t forget to look for common misspellings or derivatives of that brand) * Your competitors * Stakeholder mentions: If you have people or representatives on your team that are active online, you might be listening for their specific names * Industry/Opportunity phrases: if you’re selling insurance, you might look for phrases like “need insurance coverage” or “shopping for car insurance”

Noch mehr zum "Konversatins-Tracking DYI style" u.a. auch von Dan Schwabel bei mashable.com.

Tools & Angebote, die mehr können:

Paul Gillin hat vor einer Weile eine Liste mit zahlreichen Services dazu veröffentlicht – allerdings fällt auf, das sie bereits heute nicht komplett ist bzw einige der Anbieter in dieser Form nicht mehr existieren. Und natürlich ist ein Großteil US-basiert.

Read Write Web stellt einige Tools vor und kommentiert sie auch - aber nicht unbedingt aus markenstrategischer oder Research-Perspektive.

Hier meine (ersten) Eindrücke und Erfahrungen mit den Tools, die es kostenlos oder gegen (geringe) Gebühr gibt. Sowie einige Anbieter, die darüber hinaus maßgeschneiderte Lösungen anbieten.

Die Faktoren, die aus meiner Sicht dabei als Basis erfüllt sein sollten:
- Umfassende Aggregation von Statements, auch über größere Zeiträume.
- gute Visualisierung der Daten. Am besten auch Graphisch.
- Sentiment-Analyse. Mindestens mit Negativ-Neutral-Positiv.

Darüber hinaus wäre es erfreulich, wenn das Tool noch mehr bietet - Filterfunktionen, die Ergebnis aufgabenspezifischer auswerten. Eine tiefergehende semantische Analyse über die reine Bewertung positiven und negativen Emotionen hinaus.

Kostenlose Angebote.
Ein Aggregations-Angebot ist backtype. Allerdings nur mit der Möglichkeit, täglich per Alert zu wissen, was gesprochen wird. Aggregiert zwar in Form einer "social media discussion search engine" - aber mehr auch nicht. Interessant ist höchstens, das auch nach Personen, vor allem Meinungsführern direkt gesucht werden kann.

Ähnlich gut hat mir Blogscope gefallen - hier wird ein bisschen mehr Visualisierung über die reine Aggregation hinaus geboten: "an analysis and visualization tool ... which is being developed as part of a research project at the University of Toronto . It is currently tracking over 35.62 million blogs with 764.79 million posts. BlogScope can assist the user in discovering interesting information from these millions of blogs via a set of numerous unique features including popularity curves, identification of information bursts, related terms, and geographical search. "

Nielsen bietet online u.a. auch ein kostenloses Tool an mit Blogpulse by Nielsen BuzzMetrics. Hier lassen sich z.B. auch Trends graphisch gut darstellen und es gibt Links zu den Quellen, wo Suchbegriffe zitiert werden. Ganz gut für den ersten Einstieg - aber in der Tat eher ein Teaser für die sonstigen, kostenpflichtigen Angebote von Nielsen BuzzMetrics. Im Gesamteindruck gut und es wird schnell deutlich, das hier ein großes Research-Unternehmen im Hintergrund wirkt, das die Anforderungen der zahlreichen Zielgruppen gut kennt.


How Sociable? ist ein Angebot zu "Brand Visibility Metrics", das zumindest zur Sichtbarkeit der Marke ganz interessant ist. Aber das eigentliche Suchen nach Insights muss der User selbst übernehmen.

Socialmention ist ebenfalls eine "social media search engine", die user-generated content wie z.B. Blogs, Kommentare, Bookmarks, Events, News, Videos, und Microblogging Services durchsucht. Und Markennennungen übergreifend auffindet. Die Ergebnisse sind aggregiert aus den Top Social Media Quellen wie Flickr, YouTube, Digg, Delicious, Twitter. So wie bei vielen anderen können die Ergebnisse auch als RSS oder über email abonniert werden. Was mir hier gut gefallen hat: die Bewertung der Ergebnisse nach Sentiment, Passion, Strength - die ein bisschen stärker auf die mediale Präsenz und Intensität der Auseinandersetzung mit der Marke oder dem Thema schliessen lassen.



Keotag ist eine weitere "social search engine". Aber auch hier muss der User innerhalb der oft sehr zahlreichen Statements aus Blogs etc. noch intensiv suchen, um relevanten Kontext zu finden.

Im Prinzip ein kostenpflichtiger Dienst - allerdings ist die Trial-Version schon wirklich gut nutzbar - daher hier: SM2 by Techrigy - durch die "Freemium"-Offerte kann man sich einen guten ersten Eindruck verschaffen, ob das Tool sinnvoll für die eigenen Themen zu nutzen ist. Mashable hatte zu SM2 einen guten Artikel im März. Generell ist es eine Software-Lösung, die sich vor allem an PR- und Online Marketing-Agenturen richtet, um Social Media zu beobachten und zu messen. Was mir gut gefallen hat: Emotionen werden u.a. graphisch und auch in einer anderen Bandbreite (Anger, Social, Sadness,...) quantitativ graphisch aufbereitet.



Kostenpflichtig, aber standardisiert.
Jodange mit dem "TOM Top of Mind" Tool ist eine weitere Option: "Jodange automatically extracts opinions from any online content in order to understand sentiment." - einfach mal ausprobieren, ob es sich lohnt. Für mich nur ein Tool von vielen. Allerdings haben sie ein paar ganz nette Gadgets zum Download - vor allem zu allgemein interessanten Themen wie z.B. "Economic Recovery". Interessant ist die Aktualität und die Option, nach Opinion Leadern gefilterte Meinungen zu bekommen. Für meinen Zweck allerdings nicht so wichtig.

Scoutlabs – ein weiteres Tool, das ebenfalls Buzz Tracking und Sentiment Analyse offeriert. Darüber hinaus kann der User in Konversationen “intervenieren” (was natürlich vor allem im Bereich Reputation Management sinnvoll ist).

BrandsEye by Quirk emarketing bietet eine Menge zum Thema Reputation Management - und hat auch interessante, flexible Pricing Modelle im Angebot - je nachdem, ob man selber Blogger, kleine oder große Unternehmung ist. Und für Blogger gibts Brands Eye immerhin schon ab 1$/ Tag. Das Thema "Schutz der eigenen Online Reputation" wird hier fokussiert, nicht der Bereich "Insight Analyse".

Je mehr auch das Thema "Sentiments" eine Rolle spielt, desto eher wird es wohl ein Angebot sein, das kostenpflichtig ist. Einige etwas bessere und neuere Tools bieten eine Topic-Aggregation inklusive einer positiv-negativ Bewertung an. z.B. die "Conversation Search Engine" Samepoint.

Ebenfalls interessant, aber vor allem für Reputation Management, speziell SEOs relevant, ist Raven - das auch in seiner Optik sehr ansprechend ist. Raven zeigt auf dem netten Interface, welche Themen gerade heiss sind - inklusive einer rot-grünen Sentimentanalyse. Kosten: rd. 79$/ monatlich. Raven bietet - wie viele andere kostenpflichtige Dienste - eine "30-day-free trial" an, um das Tool besser kennenzulernen. Zum Log in sind allerdings Kreditkarten-Daten notwendig - und damit auch eine fristgerechte Kündigung - sonst hat man ganz schnell ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen.


In diesem Bereich gibt es Angebote in allen Preisklassen - aber es kündigt sich ein Preisverfall an. Angebote wie z.B. Viralheat werden ähliche Angebote zum Thema real-time social media monitoring schon für unter 10 Dollar anbieten. (Zur Zeit als Beta online.)

Sysomos ist ein weiterer Anbieter, der "Business Intelligence for Social Media" anbietet und zwei Tools im Programm hat, u.a. MAP, die Media Analysis Platform. Ebenfalls ein kanadischer Anbieter, der recht transparent die Benefits aufzeigt - auch hier kann eine Demo-Version angefordert werden. Die Kundenliste zeigt allerdings: eher für "online key influencer" PR interessant. Konkrete Preise waren nicht direkt auffindbar - die Tools wirken deutlich elaborierter als viele andere Angebote.

Qualität hat ihren Preis - die maßgeschneiderten Lösungen.
Radian6 bietet als "social media monitoring platform for marketing, communications and customer support professionals" ein umfassendes Angebot. Die Internet-Seite ist durch viel Gehalt und Input zum Thema inspirierend - man nimmt ihnen ihr Versprechen ab: "Radian6 created tools to help remove the barriers to effective social media monitoring and analysis." Das zeigt auch die Zahl der Unternehmen, die mit Radian6 zusammen arbeiten: u.a. WeberShandwick, und auch DraftFCB hat in diesem Frühjahr eine Kooperation angekündigt.
Radian6 bietet interessante Online-Tutorials an und sind sehr schnell in der Response per e-mail. Also angucken und selber bewerten.

Nielsen wurde oben schon genannt - richtig spannend zum Thema Insighs wird es hier allerdings auch erst bei den kostenpflichtigen Angeboten. Dort sind dann u.a. auch Brand Association Maps und andere deutlich relevantere Tools zum Thema Insights erhältlich. Für mich einer der interessanteren Anbieter, wenn auch deutlich kostenintensiver.
Abb. Brand Association Map von Nielsen BuzzMetrics.


Ethority bietet neben Bobi – dem "brand online buzz index" - explizit auch Consumer Insight Analyse an. Mit ihrem Real-time Market Research geht das Angebot weit über die Datenerhebung des Social Media Monitoring hinaus. Die ethority-Analysten bieten Auswertungen zum Kaufverhalten, zur Wahrnehmung und Positionierung Ihrer Marke, sowie darauf aufbauende Handlungsempfehlungen für Kommunikations- und Markting-Strategien. Die Methodik basiert auf einer erweiterten Netnografie. Die Netnografie stammt aus der Forschung des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Robert Kozinets und kombiniert Ethnografie mit der Umgebung des World Wide Web, basierend auf der Analyse des Verhaltens von Gruppen und ihrer einzelnen Mitgliedern durch die nicht partizipierende Beobachtung des Forschers. ethority filtert Meinungen aus den nutzer-/konsumentengenerierten Medien im Web - und setzt dann die Ergebnisse in Beziehung zueinander,so dass am Ende eine umfassende Darstellung des Markt- und Käuferverhaltens entsteht. Also genau das, wonach ich die ganze Zeit suche. Und neben Nielsen der Anbieter, der mit langjähriger Erfahrung einer vond denen wäre, die ich mir auf der Suche nach einer 200%-Lösung näher ansehen würde.

Was ich auf dem deutschen Markt sonst noch gefunden habe:
Das Hamburger Trendbüro hat ein eigenes Inhouse Tool, über das es mehr online zu erfahren gibt – “InsightBench” heisst es und wird hier vorgestellt.

Die tiqqer GmbH wurde im Sommer 2008 aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) von Dr.Stephan Baumann und Dražen Cindrić ausgegründet. Die Firma mit Sitz in Kaiserslautern bietet Social Media Monitoring an – u.a. gibt es die Option, 14 Tage kostenlos zu testen. Online konnte ich über ihr Tool bisher nicht mehr in Erfahrung bringen.

Meine Erkenntnisse - und Hoffnungen für die Zukunft.
Einige Beratungsfirmen und Agenturen bieten inzwischen attraktive Services an, die Online-Quellen sinnvoll zum Generieren von Insights nutzen. Und es gibt einige Tools, mit denen jeder selber mal schauen kann, was über die eigene Marke - oder überhaupt bestimmte Themen oder personen - online gesprochen wird. Aber keins der frei verfügbaren Tools ist in der Lage, die Insights richtig zu bewerten, gewichten und sauber analysiert zur Verfügung zu stellen. Wer Geld sparen will, muß deutlich mehr an eigener Zeit investieren, um Spannenden Content hervorzugraben.

Echte Insights, wie wir sie aus klassischer qualitativer Forschung kennen, lassen sich so vielleicht finden – aber alles hat seinen Preis. Entweder im Bereich Zeit – oder über die damit verbundenen Kosten. So richtig zielgerichtet ist für mich - jedenfalls im Moment - keins der (kostenlosen) Angebote. Die kostenpflichtigen Dienste sind auf den ersten Blick eine nette Lösung – aber in den meisten Fällen erschliesst sich nicht, ob die Kosten den Output für mich persönlich rechtfertigen. Maßgeschneiderte hausinterne Instituts- oder Agenturlösungen könnten da eine bessere Wahl sein – zu einem entsprechenden Preis.

Wer sich mit etwas oberflächlichen Betrachtungen zufrieden gibt, und Zeit invesiteren kann, die vorhandenen Tools zu nutzen und die zutage geförderten „Info-Happen“ intensiv zu studieren, der wird sicher auch so fündig.

Vieles bleibt zur Zeit auf der Oberfläche des „buzz tracking“ oder ist im Bereich Reputation Management angesiedelt (mit PR oder SEO als Hauptinstrumenten, die damit bereits intensiv arbeiten – und mit Tools, die auf diese Bedürfnisse deutlich eher zugeschnitten sind).

Ich bin gespannt, welche standardisierten Tools es in den kommenden Monaten noch zu begutachten gibt. Und ob es mehr Anbietern gelingen wird, einfache, kostenlose Trials zu ermöglichen, die nicht wie eine Kostenfalle daher kommen. Im Moment sieht alles danach aus, als ob eine hausintern entwickelte eigene, wenn auch kostenintensivere Lösung die gehaltvollere Variante darstellt. Insights auf Knopfdruck ohne intensiven Zeit- oder Geld-Aufwand - das ist mein Wunsch an das Brand Conversation Mining Tool der Zukunft.

Kleiner Nachtrag 2010: ein tolles Wiki mit einer ganzen Zahl von Social Media Monitoring Tools findet sich hier: http://wiki.kenburbary.com/